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Magny Cours und die Daytona 675 - ein Erfahrungsbericht

Dieses Schreiben erreichte uns von einem begeisterten 675-Piloten

Sehr geehrtes Triumph-Team,

was für ein Motorrad habt Ihr denn da gebaut? Man sollte es Euch zurückbringen, anzünden und Euch alle ins Gefängnis stecken! Dabei hätte alles gut werden können. Nach 9 Jahren Rennabstinenz hatte ich mich aufs Altenteil zurückgezogen und mich aufs Veranstalten konzentriert (siehe http://www.supermoto-testival.de/), aufs Jugend trainieren und Rennen leiten (siehe http://www.smc-muenchen.de/). Und jetzt das!

Klar, 9 Jahre ist eine lange Zeit. Ich hab’ mir halt gedacht, probieren kann man’s ja mal. Aber da war nix. Kein Rutscher, kein Chattering, kein Pumpen. Einfach nix! Ich hab’ noch nicht mal gemerkt, dass ein Fahrwerk eingebaut ist. Was für eine Schande! Der Bordcomputer hat bestimmt „Couchpotatoe!“ aufs Display gebeamt. Ich hab’ nicht mehr hingeschaut. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Aber das ist nicht leicht zu verkraften. Ich bin einfach zu langsam! Klar, ich bin sicher, dass es Feder- und Dämpfungselemente aus dem Handel gibt, die noch besser funktionieren. Ich bin aber auch sicher, dass 99% der ambitionierten Menschen, die ich auf Rennstrecken kennenlernen durfte, das niemals brauchen werden. Die Reifen sahen nach 4 Stunden Renntempo aus, als könnte man noch mal 2 Stunden dranhängen. Klar schaut man, dass man bei 4 Stunden runder fährt als beim Sprintrennen. Sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber da ist auch noch der Leistungseinsatz aus dem mittleren Drehzahlbereich. Weich und sicher schiebt dich der Apparat Richtung Horizont, zügig, aber immer gut kontrollierbar an einem Bandl von 6000 U/min Breite. Von einer klitzekleinen Ruppigkeit bei zu hastig vorgetragenen Lastwechseln abgesehen, funzt das Mapping für den Arrow brutal gut. Und die Metzeler Racetec haben dazu gepasst wie der A… auf den Eimer (letzte Runde 1:55:718).

Das alles erfüllt mich mit tiefer Sorge. Denn eigentlich war mehr drin als der 6. Platz. Ich sehe meinen längst vergessen geglaubten jugendlichen Ehrgeiz in mir aufsteigen. Und ich sehe mich auf der Suche nach einer Selbsterfahrungsguppe („Hallo, ich bin der Oliver. Und ja, ich bin ein Bummerl, weil ich mit einer 675 nur den 6.Platz gemacht habe.“ Erwachsene Männer wie Max Biaggi werden mich dann weinend in den Arm nehmen und mich teilhaben lassen an ihren Erfahrungen zum Thema. Und der Selbsterfahrungsgruppenleiter, Ralph Waldmann, wird uns an den Händen nehmen und wir werden gemeinsam gegen das traurige Gefühl ansingen, trotz überlegenem Material hergebrannt worden zu sein.)

Ketchup und Stolle vom PS-LSL-Triumph-Team haben mit 119 Runden aufgezeigt, was mit der 675 geht. Ein Sieg geballter Erfahrung. Wir verneigen uns in Ehrfurcht. Und keiner kann sich mehr drüber gefreut haben als wir. Mit Ketchup haben wir in diversen Fahrerlagern Europas schon Alkohol auf Erblindungspotenzial getestet, als Geburtstage noch nicht mit halbjährlichen Depressionen einhergegangen sind (letztes Jahrtausend). Auch diesmal stand er uns mit Rat und Tat zur Seite und hatte – neben seiner reizenden Gattin, die wie damals die gesamte Box verköstigt hat - seinen Kühlschrank dabei. Dafür sind wir ihm dankbar. Und irgendwie ist es ja schön, dass wenigstens das andere Triumph-Team gewonnen hat. Sehr schön sogar! Deshalb war’s dann doch irgendwie ein gutes Wochenende.

Danke!

Havana

Team Triumph-Stop’n’Go
-          Oliver Werner
-          Roland Zießmer
-          Stephan Zießmer
-          Tammo Grundmann




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