Speedway Lausitz
Bericht zum Rennwochenende vom Triple Tec Team
Am vergangenen Pfingstwochenende war es mal wieder soweit:
„Let´s go Racing!“
Erstmals ausgestattet mit der 675er Triumph ging es zum Lausitzring zur gemeinsamen Veranstaltung von Futz-Racing und Bike-Promotion.
Am Freitagmorgen vor dem Aufstehen gab es erstmal die obligatorische Fahrerbesprechung. Dort erfährt man ja immer wichtige Sachen, beispielsweise, dass auf der Rennstrecke alle in eine Richtung fahren und das Rennen bei geschwenkter schwarz-weiß karierter Flagge beendet wäre. Ja, da konnte man schon sehen, der Michael Dangrieß vom Veranstalter Bike-Promotion, der kennt sich gut aus. Er hat das dann auch gleich nochmals unter Beweis gestellt.
„Und wer zuerst wieder da ist, der hat gewonnen“.
Na da wissen wir doch, worum es geht.
So ganz nebenbei hat er uns natürlich auch noch alles Wichtige sonst zu der Veranstaltung erklärt, der Mann ist halt Profi und hat das wirklich gut gemacht (ganz im Ernst).
Derart vorbereitet haben wir dann gleich mal die Hühner gesattelt und sind bei schon flauschigen 21 Grad auf diese gigantische Anlage raus gefahren, die da in der Lausitz gebaut wurde. Wenn es das nicht schon geben würde, könnte man sich einfach nicht vorstellen, wie klein man sich mit einem Moped auf diesem großen Abenteuerspielplatz vorkommt. Auf keiner anderen Rennstrecke, die ich kenne, ist alles so riesig wie dort.
Aber zunächst einmal hatte ich ganz andere Sorgen. Schließlich ist die Triumph 675 nach mindestens 10jähriger Fahrt auf einer Yamaha YZF 750 R das erste Rennmotorrad der Neuzeit das ich bewege, und ich muss sagen, das hat mir schon einige Umgewöhnung abverlangt. So habe ich es dann erstmal vorsichtig angehen lassen und im 1. Turn mit Rundenzeiten von 2:06 erstmal ein sanftes Kennenlernen mit dem kleinen Triple veranstaltet. Aber das war schon ganz nett und nach kurzer Pause liefs im 2. Turn auch schon gleich 3 Sekunden flotter, ohne das der Fahrer damit irgendwelchen Stress gehabt hätte. Komisch war nur, dass der Drehzahlmesser dann irgendwann immer nur 11.000 Umdrehungen anzeigte, obwohl das Motorrad schon im Drehzahlbegrenzer ruckelte. Schon ungefähr acht Kurven später viel mir auf, dass eigentlich überhaupt nichts von der Anzeigeeinheit mehr vernünftige Werte anzeigte. Na gut, dann mal lieber raus fahren, bevor hier noch was kaputt geht.
Nach kurzem Anruf bei meinem Stützpunkthändler Q-Bike, Hamburg, war schnell klar, hier waren irgendwie Stromkreise für das Standlicht und das Zündschloss betroffen, deren Sicherungen auch praktischerweise gleich durchgebrannt waren, um größeren Schaden zu verhindern. Nur die Ursache war nicht zu finden. Q-Bike hatte Rennverkleidung und Rennhöcker angebaut, und alles sah soweit ordentlich aus. Einfach nur die Sicherungen tauschen war dann doch ein bisschen komisch, zumal diese kleinen Ersatzsicherungen auch nur in begrenzter Anzahl vorhanden waren. Es klappte allerdings und viel mehr später sollte sich zeigen, was die Ursache war:
Der Mechanikus hatte im Eifer des Schraubergefechts offensichtlich übersehen, den für den Renntrimm überflüssigen Kabelstrang zur Heckleuchte irgendwo festzukleben, wo er nicht mit heißen Teilen in Berührung kommen konnte, so dass ein kleiner Stecker sich am Auspuff festgeschmolzen hatte. Der hatte nun einen Kurzschluss verursacht. Den Stecker also ordentlich weggelegt und die Kontakte getrennt und schon konnte es weitergehen.
Mittlerweile war es dann auch schon 32 Grad warm geworden, im Schatten. Das Problem: es gab keinen Schatten. Wer jemals am Euro Speedway war, weiß wovon ich rede, ungefähr 10 Hektar Asphalt, die das Fahrerlager bilden, und drumherum nach eigenem Bekenntnis der Streckenbetreiber 13 verschiedene Streckenvarianten, auch alle asphaltiert und kein Baum und kein Strauch. Zu allem Überfluss nahte jetzt auch noch das Qualifikationstraining. Jetzt ging es also um die Startaufstellung. Wegen des Elektrikdefekts konnte ich da nicht all zu viel vorher trainieren, aber mal sehen.
Eine Aufwärmrunde zwei heiße Runden und erstmal stand eine 2:01 auf der Uhr. Das war ja schon mal ganz ordentlich für meine Verhältnisse. Dann bin ich erstmal rausgefahren, um eine freie Runde abzupassen. Das klappte auch prompt und zu allem Überfluss hat mich in dieser freien Runde gegen Ende auch noch ein superschneller Heizer überholt. Das war für sich genommen natürlich eine riesen Sauerei. Ich konnte den Mann leider nicht einholen und ihm das sagen. Habe es aber versucht und zwar mit allen Mitteln, so dass am Ende sogar eine glatte 2:00 Minuten-Zeit auf der Uhr stand. Das sollte reichen, zumal die Pirelli-Slicks bei geschätzten Asphaltoberflächentemperaturen von 400 Grad Celsius auch so langsam das Schmieren kriegten. Und ich konnte es mir mental einfach nicht leisten, zu dem üblichen Schwitzen bei der Hitze und der Anstrengung auch noch Angstschweiß zu verkraften. Was zu viel ist, ist zu viel, die 2 Minuten mussten reichen.
Am Nachmittag habe ich dann noch lockeres Training gefahren und ebenso am nächsten Vormittag die Daytona in vollen Zügen genossen. Es ist ja in den Testberichten viel geschrieben worden über die Harmonie, die dieses Motorrad ausstrahlt, und ich kann das nur unterstreichen. Das Moped hat Druck, fährt zielgenau, lässt sich super dosiert bremsen und offenbart eigentlich nur dann Limits, wenn der Fahrer schon längst außerhalb der eigenen Betriebsgrenzen operiert. Mit anderen Worten: Die Pure Freude am Motorradfahren.
Heiß war es natürlich immer noch und durch die etlichen Runden, die bereits abgespult waren, war auch das montierte Reifenpärchen schon langsam etwas über den Zenit hinweggekommen und schmierte insbesondere aus den langsamen Ecken heraus bedenklich an der Hinterhand. Aber, neue Reifen fürs Rennen waren nicht drin. Ich war natürlich fest davon ausgegangen, dass man mit einem Satz Slicks ein Wochenende auf dem Lausitzring schon würde bestreiten können. Die Praxis belehrte mich aber eines besseren. Man kann da ohne weiteres auch an einem Tag so´n Satz durchbringen und das, obwohl das Fahrwerk super gearbeitet hat. Der Befund vom Öhlins-Mann war jedenfalls deutlich. An der Hinterhand würde er gar nichts ändern und vorne würde er bestenfalls ein paar härtere Gabelfedern einbauen und vielleicht etwas festeres Öl nehmen. Na denn, der muss ja auch was verkaufen. Ich mach da gar nichts dran. Übe lieber noch ein bisschen Fahren.
Am Samstag um 15 Uhr dann Unwetterwarnung. Na prima. Um 16 Uhr sollte das Rennen starten und die drohend schwarze Gewitterwand erhob sich schon westlich des Rings und kratzte an der Waldkante. Auch erste Tropfen waren schon da. Die Freude bei den Teilnehmern darob hielt sich in engen Grenzen, zumal der Veranstalter noch extra darauf hingewiesen hatte, wie rutschig es bei Regen werden würde. Immerhin sei vor kurzem die DTM da gewesen und die würde immer viel Gummiabrieb hinterlassen, der dann bei Regen glatteisähnlich bla bla bla. Na, das war ja genau das, was ich brauchte. Regenreifen habe ich natürlich als eingefleischter Hobbyracer auch nicht dabei. Bin schließlich ein Schönwetterfahrer. Und so wie sich die Wand da hinter dem Ring auftürmte, war meine Prognose die, dass es vermutlich nach der warm-up lap anfangen würde zu schiffen wie aus Kübeln. Also mit gemischten Gefühlen raus zum Vorstart und auch die warm-up lap absolviert. Petrus hielt die Schotten jedoch noch etwa dicht, so dass wir erstmal gemütlich starten konnten. Von Startplatz 29, den ich mir mit meiner Trainingszeit erkämpft hatte, konnte ich natürlich nicht ohne Weiteres davon ausgehen, als erster in die erste Kurve nach Start und Ziel einzubiegen. Meine Startstrategie hat aber trotzdem gut funktioniert. Ich habe bestimmt 15 Leute überholt. Während der größere Teil meiner Mitstreiter mit rutschenden Kupplungen und wheelenden Motorrädern zu kämpfen hatte, bin ich nämlich einfach ganz normal losgefahren. Was bis auf ein kleines unbeabsichtigtes Wheelie im ersten Gang auch völlig problemlos funktionierte. Dann habe ich mich durch die ersten drei Kurven noch irgendwie durchgetankt, und prompt hatte ich eine ganze Reihe von Leuten an meinem werten Hinterteil kleben, die allesamt 2 – 3 Sekunden schneller fahren konnten als meine Wenigkeit, aber zunächst mal nicht ohne Weiteres vorbeikamen. Den einen oder anderen mußte ich dann doch ziehen lassen. Petrus hielt die Klappen dicht, von einigen Regentropfen abgesehen, die gelegentlich aufs Visier platschten, blieb es trocken. Man kommt da schon ins Grübeln, wenn man bei 150 km/h in der 180 Grad rechts mit Knie am Boden und Maulwurfsperspektive am Kurvenausgang wirklich voll am Quirl drehen soll und man gleichzeitig diese Nässewarnung des Veranstalters im Ohr und den Regentropfen auf der Visierscheibe hat. Aber da nichts angefangen hat zu rutschen, konnte man ja auch nicht die Ecken schieben. Es war schließlich Rennen … . Die Zeit aus dem Training konnte ich zwar mit den alten Reifen nicht mehr ganz herstellen. 2:01 waren dann im Rennen das Beste. Aber immerhin, in der Supersportklasse kam ein 18. Platz dabei heraus, in der Meisterschaftswertung war es sogar Platz 10 und damit sechs Meisterschaftspunkte. Vor allem aber :
Das war ein saugeiles Rennwochenende!!!
Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass zumindest die 17 Leute, die vor mir ins Ziel gekommen sind, allesamt hirnlose Raser sein müssen, die man hätte disqualifizieren müssen. Der Veranstalter fand das aber alles ganz normal und das war es dann wohl auch. Jedenfalls waren da einige hastige Jungs dabei. Riesigen Spaß hat es natürlich trotzdem gemacht und Gegner, mit denen man ein bisschen rumfighten kann, findet man ja auch an jeder Stelle des Rennens.
Ende August geht’s in Poznan (PL) in die 2. Runde.
Grüße
Volker Krane

