Rennbericht 8 Stunden-Rennen GEC Most
Die teils urlaubs-, teils krankheitsbedingte Sommerpause ist vorbei und ich muss das kürzlich erlebte mit jemandem teilen - schon aus therapeutischen Gründen. Ok, ok, der Trainingstag in Most ist nicht gerade optimal gelaufen. Vielleicht lag’s am tschechischen Bier. Das war am Freitagabend bei der Rückkehr Thomas Meisners (bekannt durch Film, Funk und Rennsiege) reichlich geflossen. Nach schwerer Krankheit meldete sich Meise in den Fahrerlagern dieser Welt zurück, um mit Roland und mir die 8 Stunden von Most zu bestreiten.
Ja, gut, äääh… Teamkollegen vergessen!
Meise trainierte am Samstag mit der 1000er und sollte im Zeittraining zum Eingewöhnen noch ein paar Runden mit der Daytona drehen. Dummerweise hatten die Kollegen vorher den Laptimer montiert. So merkte ich während des Qualifyings in einem Moment totaler Klarheit, dass ich viel zu langsam war. Also hab’ ich alles gegeben - und meinen Teamkollegen einfach vergessen.
- Erklärungsversuch Nr.1: Die Daytona ist ein echter Hammer und wer einmal drauf sitzt, will nie wieder runter.
- Erklärungsversuch Nr.2: Ich wollte Meise die Möglichkeit geben, mit seiner neuen Kombi im Fahrerlager zu protzen.
- Erklärungsversuch Nr.3: Die digitale Verknüpfung meiner letzten beiden Gehirnzellen, die mit den Befehlen Gasgeben und Bremsen so ausgelastet sind, dass sie weitere intellektuelle Vorgänge völlig unterdrücken.
Suchen Sie sich eine Version aus, die Witze an diesem Wochenende gingen eh auf meine Kosten…
Sonntag: Rommé oder Mopedfahren?
Der Sonntag war da schon erfreulicher. Gleich das Aufstehen um kurz nach 7 geriet zu einem wahren Freudenfest für Freunde kuscheliger Kaminabende mit Glühwein und Plätzchen: 10 Grad und Regen. Eine repräsentative Umfrage im Fahrerlager hätte zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit eine höhere Zahl Freiwilliger für einen gepflegten Rommé-Abend als für den Start-Turn eines 8 Stunden-Rennens ergeben. Und trotzdem: Wenn Du erstmal im Leder steckst und das Startsignal kommt, ist das alles vergessen. Das wird einer, der’s nicht kennt, nie begreifen. Ja, ich bekenne: Ich liebe diesen Kick. Und ja, ich bin auch heute noch genauso aufgeregt wie beim ersten Mal.
Also Backen zusammen und los! Beim Start ging die Daytona durchs Feld wie ein warmes Messer durch die Butter. Nach ein paar Runden hatte ich eine grobe Vorstellung, was die Reifen können und ab da war das Rennen der pure Genuss! Zwar gab es offenbar eine heimliche Verschwörung unter den Havaristen im Feld, die Kaltverformung ihrer Eisen nach Möglichkeit vor meinem Vorderrad zu vollziehen. Aber ich kam zum Glück immer zwischen den tief fliegenden Trümmern davon. Und nach knapp 90 Minuten (ja, das geht – bei 20 min Safety Car-Phase…) konnte ich die Daytona unversehrt übergeben. Roland und Meise haben fehlerfrei nachgelegt, ab dem dritten Turn auf den bewährten Metzeler Slicks.
Rennen mit der Daytona – wenige Gegner, viele Opfer
Was soll ich sagen? Ein paar Gegner, viele Opfer – die kleine Daytona hat mal wieder umgerührt im Feld. Ach ja, da war noch was. Die andere 675. Mit Ketchup drauf. Klar, geht ja um die Ehre... Konnte förmlich den kalten Schweiß auf Rolands Stirn riechen, als er uns in Formation auf Start-Ziel gesehen hat. Dass Ketchup nicht zurückgezogen hat, als wir zu zweit durch die schnelle Rechts in der Senke gegeigt sind, rechne ich beginnendem Altersstarrsinn zu… Ich hoffe, es gibt Fotos. Was für ein Spaß! Schade, dass ich an die Box musste. Ist immer ein Vergnügen, sich mit dem Haudegen aus dem PS-LSL-Team zu balgen.
Überhaupt ist in Most das Zuschauen ja fast nervenaufreibender, als das Fahren. Ich kenne sonst keine Strecke, auf der man Angst haben muss, dass man auf der Start-Ziel beim Durchfedern den Auspuff abreißt. Keine Lüge, wir haben’s gesehen – Nein! - gehört… Aber Roland und Meise haben das Ding routiniert zu Ende gefahren und konnten noch genug Druck machen, um im letzten Turn eine Minute auf nimrod Racing rauszufahren. Am Ende waren wir eine Runde hinten. Schade eigentlich. Wäre interessant gewesen, wie’s ausgegangen wäre, wenn das Safety Car nicht zwischen den Führenden und uns rausgefahren wäre… Egal! Mit dem 11. Gesamtrang und dem 2. in der Klasse haben wir tatsächlich noch n Staubfänger eingefahren. Yes! Glückwunsch ans siegreiche WB Racing Team! Wir freuen uns auf Brünn.
Greetz
Havana
Team Triumph-Stop’n’Go
- Oliver Werner
- Roland Zießmer
- Stephan Zießmer
- Tammo Grundmann

